UFOs, Außerirdische und Sekundenkleber!

Aus den Tiefen der heimischen Spielzeugtruhen, Videokassettenkisten und Comicregalen aller fünf Kontintente berichtet Sebastian Kempke wieder für das Sammelsurium!

Meine Güte ist das voll hier…  stapelweise Actionfiguren, Blechspielzeuge, halbfertige Puzzle und längst abgelaufene Cornflakesschachteln aus den 60ern. Was für eine Unordnung! Egal. Es freut mich, daß Ihr es wieder hierher geschafft habt um einen Blick in die Sammlungen dieser Welt zu werfen.

Meinen heutigen Bericht beginne ich mit der wunderbaren Komposition von Bernard Herrmann zum Film „Der Tag an dem die Erde stillstand“ aus dem Jahr 1951.

UFOs, meine Damen und Herren, waren in den 50er Jahren eines der großen Themen in der Popkultur, und auch wenn sich die Bearbeitung und die Perspektive auf das Thema seit deutlich verändert hat,  so hat es für viele doch nichts an Faszination eingebüsst. In der Frühzeit der Hollywood-UFO-Popkultur waren die „Fliegenden Untertassen“ geheimnisvolle, fremdartige Flugobjekte von einem „anderen Stern“und nie wußten die Erdlinge was genau sie von den „Außerirdischen“ zu erwarten hatten. Waren es unheimliche Gestalten böswilliger Natur oder erleuchtete Wetraumbrüder, die uns vor dem nuklearen Endspiel des Kalten Krieges bewahren sollten? Hollywood ersann viele Geschichten um diese vielleicht größte Fragezeichen unserer Zeit.
Aber warum begann man erst in den frühen 50er Jahren  mit der Produktion von UFO-Filmen, Spielsachen und wieso griff der Werbeapparat der amerikanischen Wirtschaft erst zu genau jener Zeit nach dem Motiv der Untertasse und des „Kleinen grünen Männchens“?

Romane und Kurzgeschichten, ja  darunter auch klassiker der Weltliteratur haben schon zum Ende des 19. Jahrhunderts mit  Begegnungen mit Raumfahrzeugen, mit Ausserirdischen und sogar mit dem einen oder anderen „Krieg der Welten“ aufwarten können – das Thema ist also beileibe nicht neu, und noch weniger eine Erfindung Hollywoods. Mit dem Aufstieg der Pulp- und Kurzgeschichtenmagazine in den späten Zwanzigern und frühen Dreissiger Jahren des 20. Jahhunderts summierten sich auch die Geschichten um das UFO Thema und bildeten eine eigene Sparte im Bereich der Science-Fiction. Ausschlaggebend dafür, daß das Augenmerk öffentlichen Interesses dann doch in einem ganz anderen Maßstab auf die UFOs gerichtet wurden, war natürlich die Presse. Berichte in den Massenmedien überschlugen sich im Jahre 1947 als der Bericht die Runde durch die Weltpresse machte, ein UFO sei in der Nähe von Roswell, einem kleinen Ort in New Mexico, abgestürzt. Ein weiterer Pressebericht, demzufolge ein Hobbypilot im Flug einen Schwarm kleinerer Objekte aus nächste Nähe betrachtete, zitierte den erstaunten Mann mit den Worten, sie hätten ausgesehen wie „Fliegende Untertassen“. Natürlich hat nie jemand beweisen können, was genau geschah und bis heute diskutieren erhitzte Gemüter, Spinner wie ernstzunehmende Spezialisten, über das Thema.

Hollywood benötigte nach 1947 ledigleich ein paar Monate und bald jagte ein UFO-Streifen den nächsten, fantastischste Wesenheiten aus den Tiefen des Alls wurden auf die Teenager und die Autokinos losgelassen und eroberten natürlich schnell, in all ihren Formen und in alle ihrem Glanz und Schrecken die Herzen der Science-Fiction und Gruselfans. Außerirdische in Film und Fernsehen, bis hin zu Klassikern wie „Star Trek“, „Star Wars“ und „Alien“ haben wir nicht nur klassichen Weltall-Epen wie „Flash Gordon“ aus den 30er Jahren zu verdanken sondern zu einem Teil sicher auch dem Hollywood-UFO-Boom der 50er Jahre und dem Weltraumprogramm der 60er Jahre, das der Menschheit bewies, daß nicht nur die Sterne nach uns sondern auch wir nach den Sternen greifen können.

Ich gebe gerne offen zu, daß mich das Thema der UFOs schon immer interessiert hat, denn es regt die Fantasie der Menschen an und fragt fordernd „Was wäre wenn?“. Zugegeben ist es der geistigen Gesundheit dienlich, das Thema eher respektvoll mit einem zwinkendern Auge als im Alarmzustand völliger Überzeugtheit oder erschüttertem Abstoßungsverhalten zu begegnen.

Mit zwinkerndem Auge und offenem Verstand machen wir uns nun auch händereibend daran, ein paar Modellbausätze der besonderen Art zu inspizieren. Wir suchen nach UFOS, die keinen Bezug zu Film oder Fernsehen haben, sondern nur das UFO als solches repräsentieren. Die Auswahl ist nicht gigantisch groß, aber lasst uns sehen, was wir hier finden.

 

 

 

 

 

 

Das Area 51 UFO der Herstellers Lindberg ist eine klassiche Untertasse und basiert auf angeblichen Augenzeugenberichten von „Mitarbeitern“ des Militärstützpunktes „Area 51“, in dem angeblich Ufos vom Militär versteckt und nachgebaut werden. Die Ausführung ist detailverliebt und auch ein Blick in das Cockpit ist möglich. Ein feines UFO-Modell für wahre Enthusiasten.

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Area S4 UFO von Testors ist dem Area 51 UFO nicht unähnlich und ist eine Variation der klassichen Untertasse. Auch hier ist ein Aufriss der der Pilotenkammer eingebaut und das Modell kommt sogar mit einer Broschüre zur angeblichen Technologie und zu den Berichten des umstrittenen „Augenzeugen“ Bob Lazar.

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Roswell Ufo von Lindberg ist ein wenig ausgefallener geraten und liefert sogar einen „kleinen Grauen“ (einen dieser Außerirdischen, die angeblich nachts Leute und Kühe entführen und sie mit diversen Intrumenten in diverse Körperöffnungen pieksen) in zweifelhaft brüderlicher Positur mit.
Besonders cool: Durch die Kanzel kann man die kleinen Aliens bei der Navigation beobachten – die sie vermutlich gleich in tausend Fetzen über einer amerikanischen Wüste verstreut. Gute Arbeit, Jungs!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dank gebührt der Firma Pegasus für das offenherzige Design dieses „Kurzstrecken-UFOs“ vom Alpha Centauri. Ein klassisches Beispiel für eine „Mach-keinen-Scheiss“-Attitüde, seitens der Besucher: Was für ein fieser kleiner Fratz hinterm Steuerknüppel. Ich liebe dieses Design! Sehr verspielt, sehr unterhaltsam! Haha.

 

 

 

 

 

 

Einfach herrlich! Atlantis‘ Modellbausatz „UFO“ mit einem „echten Invasor“ ist ein Augenschmaus. Seht euch diese Details an. Sinnvollerweise hat diese Untertassenkonstruktion einen zweistrahligen Düsenantrieb. Wie sinnvoll! Der Außerirdische leuchtet im Dunkeln! Yeah! Und es gibt wunderbare Hyroglyphen, die man auf der Chassee des UFOs befestigen kann. Ein toller Bausatz. Dumm und spaßig.

 

 

 

 

 

Auch Testors hat sich am roswell UFO versucht und es sieht dem Lindberg Bausatz verblüffend ähnlich. Allerdings kann man in dieser Ausführung keine Piloten sehen, dafür aber die wunderbare, fliessende Struktur der glänzenden Oberfläche.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Atlantis‘ sehr technischer Bausatz eines dreickigen UFOs, spezialisiert auf „Überwachung und Störung elektronischer Anlagen“, hat seinen besonderen Charme. Landefüße lassen sich auf Wunsch ebenfalls einbauen. In der weissen Grundierung wirkt es wie ein klassiches 70er Jahre Spezialeffekt-Modell. Auch schön und eine gute Erinnerung daran, daß dreieckige UFOs in neuer Zeit besonders häufig gemeldet wurden. Man beachte die Ausführungen in der Beilage! Toll!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Puh, das hat dem alten Adamski sicherlich gefallen. Der Shooting Star der Ufologie, der 1952 in die Wüste ging und dort nicht nur Ufos sondern auch große blonde Venusianer traf und fotografierte, begeisterte viel Jahre lang die Menschen, die ihm Glauben schenkten. Auch wenn seine Publikationen schnell als Humbug ad acta gelegt wurden geistern seine UFO-Fotos noch immer durch hunderte Bücher und das Internet. Die Ausführung des 50er-Jahre-Modellbausatzes von Marmit ist hervorragend und macht sich gut in jeder Sammlung!

 

 

 

 

 

 

Ja, auch der gute Billy Meier, der in den 70er angab, von Ausserirdischen der Pleiaden besucht worden zu sein, hat das Interesse der Weltöffentlichkeit auf sich gezogen. Nicht schlecht für einen Schweizer! Seine außerirdischen Brüder ordnet er der nordischen, blonden Rasse zu. Hust.  Das UFO im Bausatz ist simpel und gehört zu einer ganzen Reihe „echter“ UFOs, die der Hersteller Lunar Lights seit den 70ern produzierte. Die Firma machte sich durch einige der „ernsthaftesten“ Modellbausätze einen Namen, die man als echte Sci-Fi-Fan bekommen kann. Seit den 60ern produzierten sie Dioramen zu Lizenzen wie „Lost in Space“ , „2001: A Space Odyssey“ und „Forbidden Planet“.

So, und damit sind wir für heute am Ende unseres UFO-Spezials angekommen. Als Bonus gibt es aber noch eine Dokumentation auf Youtube mit dem Titel „Watch the Skies!“ in der Steven Spielberg, George Lucas und James Cameron darüber berichten wie sehr der UFO-Boom der 50er und ihr Erleben dieser Ära ihr Weltbild und ihre eigenen Filme geprägt hat. Viel Vergnügen! (Alle weiteren Teile der Doku findet ihr direkt auf Youtube.)

(Sebastian Kempke)