Mrz 05

I watched “The Big Bang Theory” and I liked it…

Dieser Blogeintrag beginnt mit einem Geständnis! Ja, ich habe manchmal Vorurteile gegenüber Dingen, die ich überhaupt nicht kenne, oftmals eine ganz natürliche Reaktion darauf, daß alle Welt scheinbar irgendwas total geil findet und ich keinen Schimmer habe wieso. Bei Fernsehserien fällt mir das besonders auf, den die sind in aller Munde, jeder schaltet sie nach Feierabend ein und ich, der ich eigentlich so gut wie gar kein Fernsehen schaue (außer ZDF neo), kriege von alledem nichts mit.
Da saß ich also jahrelang unwissend vor dem Fernseher, spielte Videospiele, las Comics und sah mir zum xten Mal alte Science-Fiction Filme an und regelmäßig wies mich irgend ein Bekannter darauf hin, daß diese eine Serie mit den Nerds ja wohl genau das Richtige für mich sei. Haha, eine Serie, damit sich jeder über Nerds lustig machen kann, wie goldig. Nein nein, so einfach würde ich es Ihnen nicht machen. Wenn jeder über die Serie lachen kann, dann kann sie ja wohl nicht so speziell und großartig oder sehenswert sein und was nerdige Themen betrifft (von mir gerne als “relevante Themen” umschieben) bin ich etwas empfindlich. Man hat nicht umsonst jahrelang für Respekt und Anerkennung gekämpft, um das jetzt alles für ein paar Lacher über Bord zu schmeissen! Aber nicht mit mir, mein lieber Herr Gesangsverein!

Mal schnell vorgespult ins Jahr 2013! Nachdem meine Freundin eines Abends vorschlug, ich könne doch einer ihrer Lieblingsserien mal eine Chance geben, saß ich also tief durchatmend aber mit offenem Verstand vor dem Fernseher und sah mir, fast sechs Jahre nach Serienstart meine allererste Folge “The Big Bang Theory” an… und sie war großartig!

the-big-bang-theory-castIn “The Big Bang Theory” geht es um den Alltag der Physiker Leonard und Sheldon, die gemeinsam in einer WG leben und die meiste Freizeit mit ihren Universitätskollegen Raj und Howard verbringen. Alle vier sind ganz verschiedene Variationen des klassischen Nerds. Neben fließendem Klingonisch und dem allwöchentlichen Halo-Abend stehen zumindest für drei der Freunde Frauen im Mittelpunkt ihres Weltgeschehens – beziehungsweise ihre oft zum Scheitern verurteilten Versuche, sich ihnen auf angemessen weltmännische Art und Weise anzunähern. Der Vierte, mittlerweile der Dreh- und Angelpunkt der Serie, nämlich der völlig in sich ruhende und weltfremde theoretische Quantenpysiker Sheldon, betrachtet das alltägliche Treiben aus der Perspektive eines Außenstehenden, für den Zwischenmenschliches und Unsachliches so befremdlich wirken muss wie eine Begnung mit einer außerirdischen Lebensform. Dass Sheldon aber selbst der Außenseiter ist, kommt ihm natürlich gar nicht in den Sinn, erduldet er doch die fremden Bräuche und Verhaltensmuster ähnlich stoisch wie sein großes Vorbild Mr. Spock.

Zu Beginn “The Big Bang Theory” zieht nun das “girl next door” Penny in das Apartment gegenüber und bald verknallt sich Leonard über beide Ohren in die neue Nachbarin, die als erfolglose Schauspielerin und Kellnerin natürlich einem ganz anderen Ereignishorizont entstammt, als die vier Freunde. Zuammenzufassen, um was es in den einzelnen Folgen der mittlerweile sechs Staffeln der Serie geht, möchte ich an dieser Stelle nicht, doch soviel sei gesagt: Die Serie ist meisterlich geschrieben, inszeniert und gespielt und geht derart spielerisch und mit einem erfrischenden Selbstverständnis an die Nerdkultur und den bunten und komplexen Kosmos aus Comics, Science-Fiction und Wissenschaft heran, daß es eine wahre Freude ist, nach Anspielungen und Gastauftritten, nach Actionfiguren und Postern Ausschau zu halten und zu überprüfen, wie ernsthaft einige Themen tatsächlich diskutiert werden.
Sicher ist die größte Leistung dieser wunderbaren Sitcom, daß es ihr gelingt, all dies in eine wöchentliche Sendung zu verpacken, die für alle Zuschauer gleichsam unterhaltsam ist, Nerds und Normalos. Wie viele große Sitcoms lebt auch “The Big Bang Theory” von seinen einmaligen Charakteren und den abstrusen Situationen, denen man sie Woche für Woche aussetzt. Millionen von Zuschauern auf der ganzen Welt lachen über die Jungs aus “The Big Bang Theory”, aber sie lachen auch mit Ihnen, fiebern mit Ihnen und nach einer ganzen Weile wird selbst der anfangs kaum erträgliche Sheldon zu einer Ikone der Popkultur. Und ganz sicher gibt es noch immer die abstoßenden, unerträglichen und kaum lebensfähigen Nerds auf der Welt, wie man sie in amerikanischen Filmen und Serien bis vor einigen Jahren noch regelmäßig serviert bekam (und wie man sie natürlich vom Schulhof kennt). Ein guter oder liebswerter Mensch definiert sich nicht darüber ob er ein Nerd ist oder nicht. Nerds wie Joss Whedon (Buffy, The Avengers) oder Kevin Smith (Clerks, Dogma) haben Hollwood längst im Griff, es war also nur logisch, dass das TV den gleichen Punkt erreicht. Nerds hin oder her: Für Menschen, die sich trotz aller Widrigkeiten des Alltags treu bleiben und die bei zweitem Hinsehen gar nicht so furchtbar kompliziert sind, für die halten wir doch immer einen Platz in unserer Fernsehwoche oder auf dem Sofa frei, am besten ganz links, wo es sich am besten sitzt, wo der Luftzug nicht zu stark und die Heizung nicht so fern ist, wo man am besten auf den Fernseher schauen kann und trotzdem seinen Gesprächspartnern nah ist. Und, wie es sich für eine gute Sitcom gehört, oft erkennen wir uns auch selbst in den Figuren wieder, über die wir lachen. Manchmal sogar ziemlich deutlich.

Ich hatte erwartet “The Big Bang Theory” sei eine dieser Serien, mit denen ich nicht warm werden würde. “Bazinga!” Das Gegenteil ist der Fall! Mit einem großen Knall fing alles an und meine Begeisterung für die Serie expandiert noch heute. Unbedingt einschalten!

Meiner Freundin habe ich dieses tolle Bobble-Head Set von Funko geschenkt, perfekt für den Schreibtisch. ;)