Feb 17

TANZ DER TEUFEL

„Ein als Kultfilm ausgegebener unappetitlicher Horrorfilm, der sich von ähnlichen Produkten überwiegend nur durch die Häufung vordergründiger, ekelerregender Schockszenen unterscheidet. Er fußt auf dem fatalen Irrtum, daß eine möglichst naturalistische Darstellung grauenhafter Szenen bereits Gruseln hervorruft.“Lexikon des Internationalen Films[3]

evil-dead-mondo-poster-olly-mossDas ist natürliche eine fatale Fehleinschätzung seitens des altehrwürdigen Filmlexikons, denn „Tanz der Teufel“ ist einer der unheimlichsten und stimmungsvollsten Low-Budget-Klassiker des modernen Horrors. Was damals den Obirigkeiten deutscher Moralkritik als unappetitlich und naturalistisch galt ist heute sicher kaum mehr auf diese Weise zu bewerten. Es gibt kaum einen Fernsehzuschauer, der heutzutage nicht durch die detailverliebten, anatomischen Grausamkeiten im amerikanischen Krimifernsehen viel Schlimmeres gewohnt ist, Fernsehprogramm das von Kinoschrecken a la Saw noch übertrumpft wird. Abgestumpft mag die Welt heutzutage sein, aber warum behält „Tanz der Teufel“ dann noch immer seinen schrecklichen Ruf? Ganz einfach, es ist ein verdammt gruseliger Film, und den Schrecken verdanken wir nicht dem vorgeblichen Naturalismus sondern tatsächlich der übernatürlichen Komponente und dem künstlerischen Ideenreichtum, mit dem Regisseur Sam Raimi („Spider Man“) und seine Kumpanen den Film auf die Leinwand brachten. „Tanz der Teufel“ ist spannend, brütend finster und bahnbrechend inszeniert.

In „Tanz der Teufel“ besucht eine Gruppe junger Menschen, allen voran Ashley Williams (Bruce Campbell) und seine Freundin Linda, eine kleine Hütte tief in den Wäldern Tennesses, um dort ihre Frühlingsferien zu verbringen. In der abgelegenen Hütte finden sie eine uralte Ausgabe des Necronomicon, das dort nebst Tonband und Notizen von einem Archäologen zurückgelassen wurden. Das Necronomicon, geschrieben in menschlichem Blut und gebunden in menschlichem Fleisch, ist eine Sammlung von Beschwörungsformeln, ein verbotenes Buch, mit dem der Legende nach Tote und Dämonen ins Leben gerufen werden können. Als die Freunde das Tonband abspielen, werden sumerische Formeln gesprochen und etwas Böses erwacht in den Wäldern. Bald schon beginnen dämonische Mächte Besitz von Ashs Freunden zu ergreifen und einer nach dem anderen verwandelt sich in eine untote Kreatur. Wird Ash die Nacht überleben?

Sam Raimi, heute einer des bestbezahltesten Regisseure Hollywoods, mutet seinem Zuschauer eine Menge zu: Dämonen werden (obgleich es vor einer halben Stunden noch fröhliche Kommilitonen waren) vorsichtshalber mit der Axt zerlegt, Bäume erwachen zum Leben und machen sich über eines der Mädchen her, und das Wort „Werkzeugschuppen“ brennt sich nachträglich als Filmzitat ein. „Tanz der Teufel“ war von Anfang an als „Schocker“ geplant und die Macher waren sich dessen an jedem Drehtag bewusst. Was „Tanz der Teufel“ aber über alle schlechten Filme hebt, die Ähnliches versuchen, ist die großartige Kameraarbeit und die intensive Inszenierung. Es wird Spannung aufgebaut bis zum großen Finale, die Angst vor dem Unbekannten und Übernatürlichen lauert in jeder verwunschenen Ecke der Waldhütte, mit unbezwingbarer Kraft rast das pure Böse durch den Wald und bleibt, ausser in Form der Besessenen, immer körperlos.

bruce evil
Ich brauche dem Chor nix vorzupredigen, denn es gibt kaum einen Horrorfan, der nicht von „Tanz der Teufel“ schwärmt. „Evil Dead II“ ist noch berüchtigter für seinen Mix aus Slapstick und Splatterhorror und spätestens in „Army of Darkness“ wird Ash zum dumpfbackigen Fantasy-Superhelden, der mit Flinte und Kettensäge unfreiwillig Jagd auf Horden von Untoten macht. Obgleich Schauspieler Bruce Campbell auch für mich einer der grössten Menschen unseres Zeitalters ist, erinnere ich mich immer noch gerne an die Anfänge, an den bodenständigen Schrecken, der in der kleinen Waldhütte lauert und den ich auf einer holländischen Videokassette das erste Mal sah und der mich nie wieder losliess. Nein, das ist kein „vorgeblicher Kultfilm“, das ist ein Meisterwerk seines Faches. Sam Raimi gab „Tanz der Teufel“ den sportlichen Untertitel „The Ultimate Experience in Grueling Horror” (Das ultimative Erlebnis grauenhaften Horrors) und das ist ihm, da sind sich Fans einig, gelungen. Ein Kunstwerk!!
oder?
 
ed_remakeZitat „Wikipedia“
„Tanz der Teufel war, neben Muttertag, Ein Zombie hing am Glockenseil und Man-Eater – Der Menschenfresser, einer der Filme, die die Diskussion über Gewaltfilme anheizten und schließlich zu einer Verschärfung der Mediengesetze in Deutschland und einem größeren Einfluss der BPjS führten. Danach brach eine Beschlagnahmungswelle los. Die Videofirma VCL klagte dagegen ebenso wie die Kinofirma. Zwei Tage nach der Verschärfung des Jugendschutzgesetzes urteilte das Amtsgericht München am 27. Februar 1985, Tanz der Teufel sei gewaltverharmlosend und auch kein Kunstwerk, was Ausnahmen möglich gemacht hätte. Der Film blieb als Videokassette und als Kinofilm beschlagnahmt. Die Presse begrüßte das Urteil weitgehend.“

Was sagt man dazu? Nun ja, wenn das von Raimi und Bruce Campbell produzierte Remake dieses Jahr maßstabsgetreu in die Fußstapfen des Orginals tritt, dann dürfte einer Neubewertung des „alten“ Films nichts mehr im Wege stehen. Wir sehen uns im Kino!

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