Mrz 04

Keita Amemiya: monsters and heroes are his trade! (Teil 1 von 2)

Jeder, aber wirklich jeder, der in den 90er Jahren eine Leidenschaft für Genrefilme und Schätze aus den tiefsten Tiefen der Videotheken entdeckt hat, kennt die Arbeit des Mannes, den ich heute vorstellen möchte. Die meisten werden ihn nicht dem Namen nach kennen und vielleicht hätten sie auch Probleme damit, brauchbare Orginaltitel seiner Filme aufzustöbern… was sie aber weidererkennen werden sind seine Schöpfungen: Monster, Mutanten und Roboter!


Keita Amemiya (links oben) ist der Erfinder von Kreaturen wie „Zeiram“ , „Cyber Ninja“ oder „Garo“ und obgleich seine Filme vielen Westlern unter dem gewohnten Budget produziert zu sein scheinen, so hat er doch seine Wurzeln tief in der japanischen TV-Fantasy. Amemiya ist neben seinen Tokusatsu-(SFX)Serien auch für seine Designs für Videospiele, insbesondere solchen aus dem Hause Capcom bekannt. Hier hat er federführend an der „Onimusha“-Reihe und „Genji“ mitgewirkt. Auf einigen weniger gut informierten Websites ist zu lesen, er sei derjenige gewesen, der die „Serien erschaffen hat, die die „Power Rangers“ inspiriert hätten. Das ist natürlich Humbug. Die Erfindung der legendären 70er-Jahre-Tokusatsu Serien wie zum Beispiel „Kamen Rider“, „Kikaider“ oder „Goranger“ (deren xter Ableger dann in die US-Power Rangers-Serie umgeschnitten wurde) geht natürrrlich auf das Konto des ehrwürdigen und längst verstorbenen Genies Ishinomori Shotaro (im Bild links unten), der seines Zeichens ebenfalls ein begnadeter Künstler und Wegbereiter japanischer Popkultur war. Ishinomori war seinerseits übrigens ein „Schüler“ des weltbekannten Mangazeichners Osamu Tezuka (weithin als Schöpfer von „Astroboy“ bekannt) und teilte sich in den 70ern das Feld mit Anime-Veteran Go Nagai, der für Super Roboter Animes wie zum Beispiel „Mazinger Z“ und „Getter Robo“ das Feld freigemacht hat. Von den Super Robotern (haushohe menschengesteuerte Kolosse) über die Tokusatsu-TV-Shows (Typen in Gummikostümen die sich wahlweise in Roboter, Monster oder eine Kombination aus beidem verwandeln und meist auf Motorrädern unterwegs sind um sich mit Horden von Bösewichten zu prügeln) zurück zu Keita Amemiya.
Amemiya begann seine Karriere mit der Produktion von neuen Staffeln altbekannter Tokusats-Shows aus der „Metal Heroes“-Reihe – hier seien seine Konzepte für „Dimensional Warrior Spielban“ (時空戦士スピルバン Jikū Senshi Supiruban) und die in Deutschland sogar weitgehend bekannte Staffel „Winspector“ (特警ウインスペクター Tokkei Uinsupekutā) genannt.

 Spielvan (1986)

Winspector (1990)

Und um dem hammergeilen Orginalsong Tribut zu zollen hier nochmal die japanische Fassung.

On his own!

Cyber Ninja – 未来忍者 (1988)

Scheinbar hatte Amemiya ein so charaktervolles künstlerisches Profil, daß es ihm immer wieder gelang, eigene Filme und Specials zu produzieren, die sich entweder gar nicht oder nur vage an der Vorlage orientierten. Daß diese Filme (die oft nicht mehr als 70 Minuten Spielzeit hatten) in Japan (und im Gegensatz zu den TV-Produkten seiner Kollegen) schnell auf Video (bzw. Laserdisc) erschienen, machte es erst möglich, daß diese Filme schnell in den B-Movie-Markt der USA importiert wurden. Diese Entwicklug setzte direkt bei seinem ersten Feature ein: „Cyber Ninja“ aus dem Jahre 1988 war ein Langfilm, der als Aufhänger für Namcos Arcade-Videogame „Future Ninja“ diente und von einem Ninja berichtet, dessen Seele und Körper von einem bösen Shogun gestohlen wurden und der sich nun als kybernetischer Kämpfer zurück ins Leben kämpft. Bereits in „Cyber Ninja“ (auch bekannt als „Mirai Ninja“ / „Ninja of the Future“) lässt sich Amemiyas Handschrift deutlich ablesen. Monster, Roboter und wandelnde feudale Festungen auf zwei Beinen sieht man nicht alle Tage. Der Film mag zwar etwas in die Jahre gekommen sein, die Designs erfreuen sich aber auch bei Sammlern von Figuren (Crowd Inc.) noch heute großer Beliebtheit.

ZEIRAM – ゼイラム (1991)

Nur kurze Zeit später begannen die Arbeiten an Keita Amemiyas bekanntestem 90er-Projekt, dem kultigen Alien-Klopper „Zeiram“. In „Zeiram“ geht es um eine schnuckelige Kopfgeldjägerin aus dem All, die auf der Erde nach der flüchtigen kybernetischen Killermaschine Zeiram sucht. In den Einsatz werden zwei trottelige Techniker verwickelt, die versuchen der Alienjägerin Iria beiseite zu stehen, wenn es hart auf hart kommt. Und das kommt es. Musik, Designs und Stimmung sind hier recht einzigartig und auch wird klar, daß sich Amemiya der dunklen Aspekte der Tokusatsu verschrieben hat und mehr Horror als Fantasy abliefert. Zeiram warf dutzende Sammelfiguren, Vinylbausätze, ein Sequel und nicht zuletzt die Anime-Serie „Iria: Zeiram the Animation“ ab, die auch hierzulande erhältlich ist. Monsterfans kommen in Zeiram voll auf ihre Kosten. Der mächtige Koloss mutiert, vermehrt und ballert sich nur so durch die Spielzeit des Films und wenn man nicht gerade eine Allergie gegen Gummikostüme hat, dann sollte man sich hier köstlich unterhalten fühlen. Die Designs sind einsame Spitze.

Kamen Rider ZO – 仮面ライダーZO (1993)

Nach einigen Ausflügen zurück ins Fernsehen, bei denen er an einigen Goranger-Projekten mitwirkte und kurze Kamen Rider Specials als Roadshow-Beiträge produzierte, widmete Keita Amemiya 1993 dem legendären Kamen Rider ein 45-minütiges Special, das den alten Helden in einer neuen Fassung zeigte: „Kamen Rider ZO“ stellt den Helden, der aufgrund eines Genexperimentes zu einem grashüpferähnlichen Cyborg werden kann, im Kampf gegen eine Reihe neo-biolgischer Monster. Mag es die tragische Rolle des Helden, die tolle Musik oder auch die großartigen Characterdesigns sein, „Kamen Rider ZO“ ist für mich neben der Serie „Kamen Rider Black“ der letzte große Höhepunkt der bis heute andauernden Kamen Rider Franchise und ein Denkmal an die ursprüngliche Vision Ishinomori Shotaros. Geiles Motorrad, cooles Kostüm und ein gebrochenes Herz machen auch diesen Rider zu einem absoluten Favourite unter den Grashüpferhelden. Das hohe Budget dieses Specials erklärt sich übrigens durch die erstmalige Kooperation zwischen den Produktionsfirmen Toei und Bandai. Auch zu Kamen Rider ZO gibts in Japan bis heute neue Figuren und Statuen, die einem echten Fan die Glückstränen in die Augen treiben können.

Hier noch ein kleiner Zusammenschnitt zu „Kamen Rider ZO“

Zeiram 2 – ゼイラム 2 (1994)

Zeiram 2 bringt Iria erneut auf die Erde und erneut muß sie sich einer neuen Form des Zeiram-Wesens stellen. Die neue Abart der Killermaschine hat ein stylisheres Auftreten und sein Anlitz gemahnt an eine japanische Fuchsmaske. Zeiram 2 bot Amemiya die Gelegenheit seinen Kosmos etwas auszubauen und an die Prequel-Animeserie „Iria: Zeiram the Animation“ anzuschliessen. So tauchen viele der Designs aus Iria zu Beginn des zweiten Films auf und die für Zeiram typischen pastellfarbenen wüstenähnlichen Welten. Auch Fujikuro, Irias Kopfgeldjäger-Konkurrent aus der Anime-Serie hat einen Part in zeiram 2 und wird übrigens von Sabu gespielt, Kultregisseur von Filmen wie „Dangan Runner“, „Unlucky Monkey“ und „Blessing Bell“. Zeiram 2 ist für Amemiya-Fans Pflichtprogramm und bietet mehr coole Sci-Fi-Action auf der B-Movie Skala, wie man sie wirklich nur aus Japan bekommen kann. Als Schmankerl eine der coolsten Kampfszenen des zweiten Teils:

 

Das war der erste Teil unseres Keita Amemiya Doublefeatures. Der zweite Teil ist bereits in Arbeit, und dann haltet euch fest wenn wir letzten Endes bis zu „GARO“ vorstoßen: Mitternachts-Tokusatsu nur für Erwachsene ;)