Apr 22

Keita Amemiya: monsters and heroes are his trade! (Teil 2 von 2)

Wir sind zurück bei unserem famosen Keita Ameiya Doublefeature und werfen einen Blick auf die Filme und Serien, mit der uns die Tokusatsu-Legende nach 1994 beglückt hat. Also anschnallen und durchatmen! Falls Ihr den ersten Teil diesen kleinen Specials noch nicht gelesen habt, dann fangt doch einfach hier an!)

1995 setzte Amemiya seinen revolutionären Reboot klassischer „Toku“-Helden fort. Nachdem er ja ein Jahr zuvor bereits mit „Kamen Rider ZO“ dem altbekannten Grashüpfer einen neuen, düsteren Anstrich verpasst hatte, ging es mit dem Nachfolge-Feature „Jinzo Ningen Hakaider“ nochmal so richtig ans Eingemachte.

Mechanical Violator Hakaider – 人造人間ハカイダー (1995)

Die Siebziger Jahren brachten neben den bereits erwähnten Kamen Ridern, den Goranger-Serien und den Super-Roboter-Animes auch die beliebten Metal Heroes hervor. Roboter oder Mensch, Gut oder Böse – die Grenzen verschwimmen und es braucht große Helden, wie den geheimnisvollen Gitarrenspieler, der sich in Zeiten großer Not in den heldenhaften Roboter „Kikaider“ verwandelt. Sein Gegenspieler war oftmals sein böser Gegenpart: freiliegendes Hirn unter Glaskuppel, gelbe Blitze auf schwarzem Stahl? Hakaider, keine Frage!

1972 sah das Ganze noch so aus… Achtung, immer schön im Rythmus bleiben *schnips*

Keita Amemiyas Version des gleichen Stoffes konzentriert sich auf den Bösewicht der Serie und macht sie zu seinem Antihelden. Obgleich noch eine Ahnung innerer Werte in ihm schlummert, wurde Hakaider konstruiert, um zu zerstören. Was für ein Zufall, dass eine Gruppe heruntergekommener Schatzsucher ihn aus seinem Schlaf weckt und ihn auf die dystopische Welt der Zukunft loslässt. Unter dem Joch eines fundamenatlistischen Herrschers werden die Menschen zwangsweise durch Gehirnchirurgie gleichgeschaltet und niemand entkommt den mechanischen Truppen des Regimes und ihrem Anführer, dem Cyborg Michael. Der Kampf zwischen Gut und Böse wird in „Hakaider“ aufgelöst zu einem Kampf um das Überleben und wer genauer hinschaut mag sogar herausfinden, daß der alte Held Kikaider zu einerm monströsen Werkzeug des Systems geworden ist, mit dem nur Hakaider jetzt noch aufräumen kann.
Mechanical Violator Hakaider ist ein Kultklassiker, der kurzweilige, düstere Roboteraction liefert und perfide mit den Konventionen der Tokusatsu spielt. In jedem Fall eine ganz persönliche Empfehlung von mir ;)

Moon over Tao (1997)

Man stelle sich eine Mischung aus Samurai-Film und Science-Fiction/Fantasy vor, mische ein paar hochkarätige Schauspieler hinzu und lasse das Ganze 96 Minuten vor sich hinköcheln. Obwohl „Tao no Tsuki“ einige Schwächen bei den digitalen Effekten hat, gefiel mir einiges an der Rezeptur SO gut, daß ich den Film trotz allem empfehlen möchte.
Zwei legendäre Kämpfer (angeführt von Hiroshi Abe!) machen sich auf den Weg, um das Geheimnis eines seltsamen, alles schneidenden Schwertes zu lüften. Auf ihrer Reise stoßen Sie auf eine Gruppe Außerirdischer, die ebenfalls auf dem Weg zur Quelle dieses Metalls sind. Tatsächlich stammt es von einer Kapsel, in deren Inneren eine legendäre, biologische Waffe ruht, die bald darauf zum Leben erwacht. „Moon over Tao“  bietet eine ganze Menge toller Designs und einen schönen Soundtrack, spielt sympathische Charaktere aus und insbesondere die „Landung“ der Außerirdischen gehört zu den legendärsten Filmszenen, die Amemiya jemals auf Film verewigt hat. Ich denke, daß die Entscheidung, das finale Monster mit CGI-Effekten aufzubocken, nicht ganz glücklich war und sicher im Zuge von „Starship Troopers“ gefällt wurde, mit deren Effektklasse aus dem Studio Tippet die digitalen Künstler bei Bandai damals einfach noch nicht mithalten konnten.

 

Oh, drei Jahre Pause? Na sowas! Im jahr 2000 meldete sich Keita Amemiya mit seiner neuen Miniserie im japanischen TV zurück. Anfang des Jahrzehnts überholten die japanischen TV-Studios viele ihrer Toku-Konzepte und da es dank der digitalen Revolution mittlerweile recht einfach war, sparsam Effekte und Montagen zu produzieren explodierte die Zahl der Serien und Ableger in bisher ungeahnten Ausmaßen. Leider tat es vielen der klassischen Helden ganz und gar nicht gut. Andererseit kam es aber auch zu einigen höchst interessanten Experimenten, und eines davon ist definitiv der Super-Roboter „Mikazuki“ (Halbmond), den Amemiya in der gleichnamigen TV-Serie loslässt.

Tekkôki Mikazuki (2000)

Mikazuki ist sehr abwechslungsreich, verlässt sich aber auf eine fragile Mischung aus Versatzstücken, die schon so dreist ist, daß man es der Serie kaum übel nehmen kann. Ein weinerlicher kleiner Junge, der die Fähigkeit hat den legendären Roboter Mikazuki zu steuern (Neon Genesis Evangelion anybody?), begleitet von einer jungen Frau in Jeans-Shorts, die einen schrottigen Toy-Robot fährt, begleitet von einer Goranger-ähnlichen Spezialeinheit (allen voran dem Hauptdarsteller  aus Zeiram 1 & 2)…. hust, allesamt im Kampf gegen Monster, die aus dem Unterbewußtsein und den Alpträumen von Menschen entstehen, zuvorderst ein gigantisches Melonenmonster. Wow, ganz schön dick aufgetragen. Die Serie rast von einer Idee zur nächsten und stolpert dabei leider ein übers andere Mal über die eigenen Beine. Nichtsdestotrotz ist Mikazuki eine Achterbahnfahrt für Tokufans! Monster, Zerstörung, Roboter, Magie, Grusel und Girls. Derbe Mischung!

Nach der Animeserie „Tweeny Witches“ und  Videogames wie der „Onimusha“-Serie für Capcom steuerte  Amemiya als Regisseur Episoden zu Horrorfilmen bei und liess dann endlich seine legendärste TV-Serie starten: „Garo“.

 Garo – 牙狼 (2005)

Weniger verspielt und weniger zahm bildete Garo den Auftakt zu TV Tokyos Midnight Theatre, speziell zugeschnitten auf erwachsenes Publikum. Die Mischung aus Horror und Fantasy im Nachtprogramm sollte sich als großer Erfolg erweisen!

Als legendärer goldener Ritter befindet sich Kouga Saejima im Kampf gegen die Welt der Dämonen, die sogenannten Horrors, die von Menschen Besitz ergreifen können und nur mit ebenso dämonischer Macht besiegt werden können. Kouga ist der letzte Nachfahre einer Sippe von Dämonenrittern und verwandelt sich in den goldenen Ritter Garo (den Wolf). Eine fesselnde Story, wilde Monsterdesigns und spannende Kämpfe bescherten Garo schnell eine treue Fangemeinde und mittlerweile ist die Serie als „Makai Senki Garo“ fortgesetzt worden, die neuesten Episoden flimmern dieser Tage gerade über die japanischen Bildschirme. Wenn Kouga die Klinge seines dämonischen Schwertes aufblitzen lässt, sie mit der Flamme des Höllenfeuers entzündet und sich in goldener Rüstung auf sein gepanzertes Pferd schwingt, dann wird schnell klar, daß wir uns mitten in einem atemberaubenden Duell urgewaltiger Kräfte befinden!


Garo ist für Amemiya und seine Kollegen ein vortreffliches Heimspiel und stellt den aktuellen Höhepunkt einer abwechslungsreichen Karriere dar, an deren Straßenrand unheimliche Monstren, außerirdische Biowaffen, Mutanten, Roboter und Helden stehen, die nicht nur bei Tokusatsu-Fans und Figurensammlern das Herz höher schlagen lassen, sondern die ihrerseits viele junge Leute dazu inspiriert haben, ihre eigenen Kreaturen auf die Welt loszulassen. Ich bin sehr gespannt, wie lange sich Garo nach zahllosen Specials und mittlerweile zwei Serien halten kann und natürlich auch darauf, was als nächstes kommt – vielleicht sogar mal wieder ein Kinofilm? Ich bin mir sich, der Meister hat noch so einige unheimliche Gestalten im Ärmel, mit denen er die Monsterfans auch in Zukunft in Spannung halten wird!

Wer noch einen interessanten Einblick in Amemiyas Arbeit als Illustrator werfen will, der sollte sich diesen interessanten Beitrag nicht entgehen lassen. – Sebastian